BASEL 2018: ABSCHAFFUNG DES RECHTS? VIERTER KONGRESS DER DEUTSCHSPRACHIGEN RECHTSSOZIOLOGIE-VEREINIGUNGEN
PROGRAM

Days: Wednesday, September 12th Thursday, September 13th Friday, September 14th Saturday, September 15th

Wednesday, September 12th

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18:15-21:00 Öffentliche Vorveranstaltung: Podiumsdiskussion «Universelle Menschenrechte und staatliche Selbstbestimmung»

Podiumsdiskussion «Universelle Menschenrechte und staatliche Selbstbestimmung»

  • Andrea Caroni, MPA (Harvard), Dr. iur., Ständerat FDP AR, Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter für Öffentliches Recht an der Universität St. Gallen
  • Alfred Heer, Nationalrat, Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, SVP, Zürich
  • Anna Petrig, Fürsprecherin, LL.M., Prof. Dr. iur., Professur für Völkerrecht und Öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel
  • Martin Schubarth, Prof. Dr. iur., ancient président du Tribunal fédéral, avocat-conseil, Autor des Buches «Verfassungsgerichtsbarkeit: rechtsvergleichend, historisch, politologisch, soziologisch, rechtspolitisch; unter Einbezug der europäischen Gerichtshöfe»

In einer globalisierten und vernetzten Welt ist der Wunsch nach Selbstbestimmung und staatlicher Souveränität nachvollziehbar. Die SVP hat die Initiative «Schweizer Recht statt fremde Richter (Selbstbestimmungsinitiative)» lanciert, die nun dem Schweizer Volk zur Abstimmung unterbreitet werden soll. Die Initiative will den Vorrang des Verfassungsrechts vor dem Völkerrecht in der Verfassung verankern. Nach Meinung der InitiantInnen soll hiermit der «Entmachtung des Volkes» entgegengewirkt und die direkte Demokratie gestärkt werden. Verschiedene KritikerInnen sehen in dieser Initiative eine Schwächung des internationalen Menschenrechtsschutzes und einen direkten Angriff auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strasbourg. Gemäss der Ansicht der SVP ziele die Selbstbestimmungsinitiative zwar nicht auf die Kündigung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ab, nähme jedoch «eine Kündigung in Kauf, falls es zu wiederholten und grundlegenden Konflikten mit der Verfassung» komme.

Die vierte Konferenz der deutschsprachigen rechtssoziologischen Fachorganisationen findet mit dem Titel «Abschaffung des Rechts?» nach den Konferenzen in Luzern 2008, Wien 2011 und Berlin 2015 vom 13.-15. September 2018 in Basel statt. In diesem Zusammenhang möchte diese Podiumsdiskussion zur Selbstbestimmungsinitiative provokativ und überspitzt die Frage nach der Abschaffung des Völkerrechts und des internationalen Menschenrechtsschutzes in der Schweiz aufwerfen.

Thursday, September 13th

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09:30-10:00 Eröffnung der Konferenz
  • Begrüssung durch Kurt Pärli, Universität Basel
  • Grusswort der Dekanin der Juristischen Fakultät, Daniela Turnherr
Location: Aula 033
10:50-11:30Kaffeepause
11:30-13:00 Session 1A: Wird das Recht geschlechtslos? (Track 1)

Organisiert von Sandra Hotz, Manuela Hugentobler und Nils Kapferer

Im Jahr 2021 können die Schweizerinnen auf 50 Jahre politische Rechte zurückblicken. Diese runde Zahl wird Anlass dafür sein, diese Situation kritisch zu hinterfragen. Eine Frage, die das FRI - Institut für feministische Rechtswissenschaft und Gender Law - interessiert, lautet: Ist das Recht 1971 geschlechtsblind geworden? Wird es heute gar geschlechtslos? Gehen dem Recht nach neuen Erkenntnissen und Entwicklungen in Soziologie, Biomedizin und Robotik das geschlechtliche, das sexuelle und/oder das fortpflanzungsfähige Subjekt abhanden? Wo entlarvt sich althergebrachtes Argumentarium zum Ausschluss einer geschlechtsoffenen Partizipation bloss in neuen thematischen Feldern? Welche theoretischen und praktischen Probleme stellen sich beim Zugang zu Recht und Justiz?

Chair:
Michelle Cottier (Universität Genf, Switzerland)
Location: HS 114
11:30
Sandra Hotz (University of Fribourg, Switzerland)
Geschlechtsblindes, geschlechtsoffenes oder geschlechtsloses Recht? – Überlegungen zum „Dritten Geschlecht“  (abstract)
11:45
Manuela Hugentobler (Institut für öffentliches Recht Uni Bern / Schweizerisches Institut für feministische Rechtswissenschaft und Gender Law, Switzerland)
(Un-)möglichkeiten politischer Partizipation: Demokratie, Diskriminierung und der Schweizerische Verfassungsstaat – aus der Geschlechterperspektive (abstract)
12:00
Nils Kapferer (FRI - Institut suisse d'études juridiques féministes et gender law, Switzerland)
Accès à la justice: une perspective OSIEGCS (abstract)
11:30-13:00 Session 1B: Erosion des Rechts durch technische Entwicklungen (Track 3)
Chair:
Bijan Fateh-Moghadam (University Basel, Switzerland)
Location: HS 115
11:30
Romy Daedelow (University of Basel, Switzerland)
Algorithmen in der Justiz – eine Gefahr für die Garantie auf ein rechtsstaatliches Verfahren? (abstract)
11:45
Claudia Stühler (juristische Fakultät Universität Basel, Switzerland)
“Becoming cyborg is (not) a reversible step“ – Technische Implantate am Lebensende (abstract)
12:00
Katharina Anna Zangerle (University of Innsbruck, Austria)
Konstantin Hondros (Universität Duisburg-Essen, Germany)
Justifying patenting life forms and music sampling within court (abstract)
12:15
Silvia Salardi (University of Milano-Bicocca, Italy)
The role of law in the age of genetics: predictive genetic testing and the resurgence of biological inequality (abstract)
11:30-13:00 Session 1C: Der aktivierende Sozialstaat als grund- und menschenrechtliches Paradox?! (Track 4)

Organisiert von Melanie Studer, Universität Basel

Dass sozialstaatliche Leistungen zumindest in ihrem Kern auch in den Menschenrechten begründet liegen und die Ausrichtung dieser Leistungen auch die effektive Ausübung von Freiheitsrechten und der Menschenwürde garantieren soll, ist anerkannt. Der aktivierende Sozialstaat setzt jedoch Hilfesuchende durch Pflichten zur (Re-)Integration, welche zur Voraussetzung für einen (andauernden) Leistungsbezug erhoben werden, mehr oder weniger subtil unter Druck. Solcher Druck kann beispielsweise in der Verpflichtung an einem Arbeitsprogramm teilzunehmen entstehen. Diese und ähnliche Anordnungen schränken nicht nur den Zugang zu sozialen Rechten ein, sondern können auch eine Einschränkung beispielsweise der persönlichen Freiheit bewirken. Wir bewegen uns also in einem Spannungsfeld zwischen grundrechtlichen Abwehr- und Leistungsansprüchen. In diesem Panel soll beleuchtet werden, wie unterschiedliche Zweige der Sozialen Sicherheit mit diesem Spannungsfeld umgehen und unterschiedliche (nationale oder internationale) Lösungsansätze diskutiert werden. Handelt es sich um einen Versuch der Quadratur des Kreises oder gibt es bereits kohärente theoretische Konzepte, die auch in der Praxis durchgesetzt werden? Führt die Verstärkung der Aktivierungstendenzen zur Abschaffung des Rechts auf Soziale Sicherheit und zu einer Rückkehr zu einem Verständnis von Grundrechten als reine Abwehrrechte oder bringt uns die aktivierende Sozialpolitik gar in eine neue Ära der teilbaren und bedingten Grundrechte im Sozialstaat?

Chair:
Kurt Pärli (University of Basel, Switzerland)
Location: HS 116
11:30
Melanie Studer (Universität Basel, Switzerland)
Aktivierende Sozialhilfe als menschenrechtliches Paradox? (abstract)
11:45
Valery Gantchev (Universität Groningen, Netherlands)
Das Recht auf Sozialhilfe als international anerkanntes Grundrecht und dessen Ausgestaltung in der nationalen Rechtsordnung (abstract)
12:00
Michael E. Meier (University of Zurich, Switzerland)
Bedrohung der (Grund-)Rechte durch Observationen von versicherten Personen (abstract)
12:15
Minou Banafsche (Universität Kassel, Germany)
Das „doppelte Mandat“ sozialer Leistungen (abstract)
11:30-13:00 Session 1D: Transnationale Unternehmen und Menschenrechte (Track 5)

Organisiert von Laura Affolter, Angela Lindt and David Loher (alle Universität Bern)

The attribution of legal liability to transnational corporations for human rights violations and environmental disaster is currently a widely discussed topic in law and legal anthropology. In their attempts to hold transnational corporations liable for human rights and environmental crimes, victims, lawyers, and human rights activists face various obstacles: Not only is there the problem of a global governance gap, many obstacles are also inscribed in the law itself, such as the principle of the corporate veil, or statutes of limitations. Nonetheless, we can observe a series of initiatives which try to overcome the issue of corporate impunity; both on a legislative level and through specific legal cases. Interest groups mobilise and use existing national and international law in strategic ways to bring transnational corporations to court and sue them for their wrongdoings.

This panel brings into conversation different case studies from European, Latin American, and African countries which analyse both the limits of law in specific (trans)national settings and strategies of how law is mobilised by different actors such as (cause) lawyers, law firms, NGOs and human rights activist in order to overcome existing obstacles and hurdles when trying to hold transnational corporations liable for violating human rights or causing environmental disasters. It pays particular attention to the question how these actors invoke different legal forums in order to bring forward their cases.

Chair:
Laura Affolter (Universität Bern, Switzerland)
Location: HS 117
11:30
Christian Schliemann (European Center for Constitutional and Human Rights, Germany)
Litigation without a remedy– investor state arbitration and affected third parties (abstract)
11:45
Angela Lindt (University of Bern, Switzerland)
Rechtsmobilisierung und transnationale Unternehmensverantwortung: Der Fall Máxima Acuña de Chaupe vs. Minera Yanacocha S.R.L (abstract)
12:00
Filipe Calvao (IHEID, Switzerland)
The force of law: mining corporations and ethical value (abstract)
12:15
David Loher (Department of Social Anthropology, University of Bern, Switzerland)
Piercing the Corporate Veil: Negotiating Responsibilities in the Aftermath of an Industrial Disaster in Northern Italy (abstract)
11:30-13:00 Session 1E: Flexibilisierung staatlicher Macht (Track 9)

Organisiert von Kurt Pärli, Tobias Singelnstein and Walter Fuchs

Chair:
Sebastian Meyer (Institute for European Global Studies, University of Basel, Switzerland, Switzerland)
Location: HS 118
11:30
Sebastian Meyer (Institute for European Global Studies, University of Basel, Switzerland, Switzerland)
Towards the informalisation of EU asylum and migration policy? How formal and informal instruments interact (abstract)
11:45
Bernard Łukańko (Institut der Rechtswissenschaften der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Warschau, Poland)
Verlagerung des Datenschutzes an Kirchen und Religionsgemeinschaften - Bemerkungen zur Reichweite des Art. 91 der Datenschutzgrundverordnung (abstract)
12:00
Jelle Roelfsema (University of Groningen (Universität Groningen), Netherlands)
Privatrechtliche Gestalten des Staates in Deutschland und den Niederlanden. Ein Versuch zur Abschaffung demokratisch-rechtsstaatlicher Vorschriften? (abstract)
13:00-14:30Mittagspause
13:00-14:00 Gemeinsame Mitgliederversammlung/Sitzung der Sektion Rechtssoziologie der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie und des FK Rechtssoziologie und Rechtswirklichkeitsforschung der Schweizer Gesellschaft für Soziologie

Die Sektion (A) und das Forschungskomittee (CH) Rechtssoziologie sind die Fach- und Berufsorganisationen der Gesellschaften für Soziologie in den beiden Ländern. Sie halten im Rahmen des 4. Kongresses in Basel ihre jährliche Mitgliederversammlung gemeinsam. Unsere Mitglieder sind gebeten, sich an dem Kongress als ordentliche Teilnehmende einzutragen. Nichtmitglieder und interessierte Personen sind als Gäste willkommen.

Chairs:
Josef Estermann (VICESSE, Wien and University of Zurich, Switzerland)
Walter Fuchs (IRKS, Austria)
Caroline Voithofer (Universität Innsbruck, Austria)
Location: Seminarraum 212
14:30-16:00 Session 2A: 100 Jahre gegen das Recht - Die Argumente der Rechtskritik gestern und heute I (Track 1)

Organisiert von Christian Schmidt and Benno Zabel

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ausgehend von marxschen Texten eine Fundamentalkritik des Rechts. Ganz generell wurden die herrschaftssichernden Aspekte des Rechts hervorgehoben. Ihnen sollte mit einer Politisierung der Normen und Konfliktbewältigung begegnet werden. Daraus entwickelten sich neben dem sowjetischen Klassenrecht und dem nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsrecht noch weitere Ansätze, die diesen Aporien entgehen wollten. Das Panel diskutiert inwiefern die heutige Rechtskritik an die damaligen Motive anschließt und wie sie versucht, die historischen Fehler der Rechtskritik zu vermeiden.

Chair:
Christian Schmidt (Universität Leipzig, Germany)
Location: HS 114
14:30
Daniel Loick (Goethe-Universität Frankfurt am Main, Germany)
Rechtskritik als Liberalismuskritik (abstract)
14:45
Benno Zabel (Universität Bonn, Germany)
Das Paradox der Rechtskritik (abstract)
14:30-16:00 Session 2B: Algorithmen und künstliche Intelligenz im digitalen Zeitalter (Track 3)
Chair:
Fatima Kastner (Institut für Weltgesellschaft, Universität Bielefeld, Germany)
Location: HS 115
14:30
Peter Müller (MCTS, Technical University Munich, Germany)
Nikolaus Pöchhacker (MCTS, Technical University Munich, Germany)
Algorithmic Risk Assessment als Medium des Rechts. Medientechnische Entwicklung und Institutionelle Verschiebungen aus Sicht einer Techniksoziologie des Rechts (abstract)
14:45
Marc Mölders (Universität Bielefeld, Germany)
Algorithmische richterliche Entscheidungshilfe als evidenzbasierte Weltverbesserung. Der Fall Public Safety Assessment (abstract)
15:00
Christoph Beat Graber (University of Zurich, Faculty of Law, Switzerland)
Artificial Intelligence, Affordances and Fundamental Rights (abstract)
14:30-16:00 Session 2C: Prekarisierung (Track 4)

Organisiert von Michael Wrase and Kurt Pärli

Chair:
Michael Wrase (WZB, Germany)
Location: HS 116
14:30
Peter Moesch Payot (Hochschule Luzern, Switzerland)
Sozialschutzrechtliche Deregulierung für geringfügige und atypische Beschäftigungen: Stärkung oder Schwächung der Wohlfahrt? (abstract)
14:45
Kotova Svetlana (LLC “Kinplast”, Russia)
Legal protection of precariat and digitalization of labour market: New Employment concept (abstract)
15:00
Kurt Pärli (University of Basel, Switzerland)
Abschaffung des Rechts auf Privatsphäre für Bezüger/innen von Sozialversicherungsleistungen zwecks Missbrauchskontrolle (abstract)
14:30-16:00 Session 2D: Neue Formen der Mobilisierung (Track 5)

Organisiert von Gesine Fuchs and Alexander Graser

Chair:
Alexander Graser (Universität Regensburg, Germany)
Location: HS 117
14:30
Axel Pohn-Weidinger (Universität Göttingen, Austria)
Julia Dahlvik (FH Campus Wien, Austria)
Ombudsinstitutionen als Ressource für strategische Rechtsmobilisierung für kollektive Zwecke (abstract)
14:45
Walter Fuchs (Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Austria)
Andrea Kretschmann (Centre Marc Boch, Germany)
Zur Mobilisierung alten und "Neugründung" bestehenden Rechts am Beispiel rechter Staatsverweigerung (abstract)
15:00
Maria Seitz (Freie Universität Berlin, Germany)
Subjektiver Rechtsschutz und Kollektivitäten - Geschlechtergleichstellung zwischen staatlicher und kollektiver Verantwortung (abstract)
15:15
Katharina van Elten (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Britta Rehder (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Legal Tech und Dieselgate: Wie die Digitalisierung ‚Eurolegalism‘ vorantreibt (abstract)
14:30-16:00 Session 2E: Lex Sportiva (Track 9)

Organisiert von Gralf-Peter Calliess

Als Lex Sportiva wird das selbstgeschaffene Recht der internationalen Sportverbände, also eine transnationale, nicht-staatliche, und in diesem Sinne private Rechtsordnung mit Geltungsanspruch jenseits des Nationalstaates, bezeichnet. Private Regelwerke wie die FIFA Transfer Rules oder hybride Regelungen wie der World Anti Doping Code werden vom Sportschiedsgericht CAS in relativer Autonomie und ohne Rücksicht auf nationale Besonderheiten angewendet. Die Schiedssprüche werden mit Verbandsstrafen wie Doping-Sperren oder Zwangsabstieg durchgesetzt. Ob und unter welchen Bedingungen diese private Rechtsdurchsetzung im Hinblick auf betroffene Grundrechte und Grundfreiheiten hingenommen werden kann, hat die nationale Rechtsprechung immer wieder beschäftigt, zuletzt etwa den Bundesgerichtshof in den Entscheidungen Pechstein und SV Wilhelmshaven. Für die Lex Sportiva streitet dabei das Bedürfnis nach Schaffung eines weltweiten 'level playing field'. Eine Grenze dürfte freilich in der Einhaltung international zwingender Normen des Allgemeinwohls liegen. Wie etwa der FIFA-Korruptionsskandal zeigt, ist es durchaus fraglich, inwieweit sich der autonome Weltsport im Sinne der These der Eigenkonstitutionalisierung auf die Einhaltung eines 'ordre public transnational' zu verpflichten in der Lage ist.

Chair:
Gralf-Peter Calliess (Universität Bremen, Germany)
Location: HS 120
14:30
Mark Pieth (Universität Basel - Basel Institute of Governance, Switzerland)
Governance - Chancen der Selbstverfassung? (abstract)
14:45
Antoine Duval (Asser Institute for European and International Law in The Hague, Netherlands)
Counter-democratizing the Lex Sportiva: The role of EU law and institutions (abstract)
15:00
Christoph Möller (Universität Bremen, Germany)
Die Eigenverfassung der Lex Sportiva (abstract)
14:30-16:00 Session 2F: Fehlerquellen und Fehlurteile im Strafverfahren (General Papers)

Organisiert von Jens Puschke and Tobias Singelnstein

Das Strafrecht als "schärfstes Schwert des Staates" zieht sowohl rechtstheoretisch als auch rechtstatsächlich einen erheblichen Teil seiner Legitimation aus der besonders strengen Form des Strafverfahrens. Strafrechtliche Verurteilung und Sanktionierung sollen nur nach besonders gründlicher Prüfung erfolgen, Fehlurteile so weit wie möglich vermieden werden. Fehler bei der Rechtsanwendung können das Vertrauen in die Strafrechtspflege erschüttern, eine hohe Fehlerquote stellt das strafrechtliche System insgesamt in Frage. Dogmatik, Justiz und Öffentlichkeit sehen Fehlurteile zumeist eher als theoretische Möglichkeit an, der durch eine konsequente Anwendung der bestehenden Vorgaben für ein rechtsstaatliches Strafverfahren begegnet werden könne. Rechtssoziologisch betrachtet ist es hingegen eine Selbstverständlichkeit, dass auch im Strafrecht Fehlentscheidungen keine nur ganz seltene Erscheinung sind. In der jüngeren Vergangenheit wurden z.B. die Verfahren gegen Gustl Mollath und Harry Wörz besonders medienwirksam erörtert. Empirisch kann als gesichert gelten, dass ein erheblicher Teil strafrechtlicher Urteile fehlerhaft ist, wenngleich die insofern angenommenen Größenordnungen divergieren. Neben individuellen Fehlern lassen sich bestimmte Fehlerquellen identifizieren, die besonders häufig zu falschen Urteilen führen. Darüber hinaus können bestimmte, teilweise auch im Recht angelegte, "Einfallstore" für Fehlentscheidung - z.B. Absprachen im Strafverfahren, unüberprüfbare Einstellungsentscheidungen der Staatsanwaltschaft, Confirmation Bias - eine systematische Entscheidungsfindung außerhalb rechtsstaatlicher Prinzipien befördern. In dem Panel sollen Fehlerquellen im Strafverfahren, Methoden zur Feststellung und Untersuchung von Fehlurteilen sowie die Auswirkungen von Fehlern auf das Recht, seine Anerkennung und Funktion thematisiert werden.

Chairs:
Jens Puschke (Philipps-Universität Marburg, Germany)
Tobias Singelnstein (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Location: HS 119
14:30
Fredericke Leuschner (Kriminologische Zentralstelle, Germany)
Fehlurteile mit Folgen: Ergebnisse einer empirischen Untersuchung von zu Unrecht inhaftierten Personen in Deutschland (abstract)
14:45
Ralf Kölbel (Ludwig Maximilian University of Munich, Germany)
Methodische Grundlagen und Probleme der Fehlurteilsforschung (abstract)
15:00
Stefanie Kemme (University of Applied Police Sciences, Germany)
Barbara Dunkel (University of Hamburg, Germany)
Gründe für justizielle Fehlentscheidungen – Ergebnisse einer Aktenanalyse in der Freien und Hansestadt Hamburg (abstract)
15:15
Ingke Goeckenjan (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Fehlerquellen im Strafverfahren (abstract)
16:00-16:30Kaffeepause
16:30-18:00 Session 3A: 100 Jahre gegen das Recht - Die Argumente der Rechtskritik gestern und heute II (Track 1)

Organisiert von Christian Schmidt and Benno Zabel

Fortsetzung von Panel 2A

Chair:
Benno Zabel (Universität Bonn, Germany)
Location: HS 114
16:30
Herlinde Pauer-Studer (Universität Wien, Austria)
Die Rechtsverschiebungen im NS (abstract)
16:45
Christian Schmidt (Universität Leipzig, Institut für Philosophie, Germany)
Politisierungen des Rechts (abstract)
16:30-18:00 Session 3B: Kann Recht die polizeiliche Techniknutzung wirksam begrenzen und steuern? (Track 3)

Organisiert von Hartmut Aden and Clemens Arzt 

Neue technische Entwicklungen stellen das Rechtssystem vor die Herausforderung, entweder bestehende Strukturen und Regelungen im Wege der Auslegung auf die neuen Entwicklungen anzuwenden oder das Recht durch gesetzgeberische Eingriffe anzupassen. Die technische Entwicklung hat gegenüber den Anpassungen im Rechtssystem dabei in der Regel einen erheblichen zeitlichen Vorsprung. Wenn die Techniknutzung mit Grundrechtseingriffen verbunden ist, machen die rechtsstaatlichen Anforderungen an die Bestimmtheit von Eingriffsnormen oftmals gesetzgeberische Maßnahmen erforderlich. Dennoch tendieren gerade Sicherheitsbehörden dazu, neue technische Möglichkeiten zunächst zu nutzen und sich erst später – manchmal erst nach Klageverfahren Betroffener – über die nötigen rechtlichen Eingriffsbefugnisse und rechtsstaatlichen Eingrenzungen Gedanken zu machen. Die Beiträge des Panels, die auf laufenden Forschungsprojekten beruhen, gehen der Frage nach, ob und ggf. wie Recht die polizeiliche Nutzung neuer technischer Möglichkeiten wirksam steuern und rechtsstaatlich begrenzen kann.

Chairs:
Hartmut Aden (Berlin School of Economics and Law, Germany)
Clemens Arzt (Hochschule für Wirtschaft und Recht/ Forschungsinstitut für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS Berlin), Germany)
Location: HS 115
16:30
Viktoria Rappold (Hochschule für Wirtschaft und Recht/ Forschungsinstitut für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS Berlin), Germany)
Clemens Arzt (Hochschule für Wirtschaft und Recht/ Forschungsinstitut für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS Berlin), Germany)
Polizeiliche Detektion unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen – neue Technik, neue Befugnisse? (abstract)
16:45
Jan Fährmann (Hochschule für Wirtschaft und Recht/ Forschungsinstitut für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS Berlin), Germany)
Hartmut Aden (Berlin School of Economics and Law, Germany)
Polizeiliche Nutzung von Tracking-Daten - ermöglichen oder begrenzen? (abstract)
17:00
Susanne Schuster (Hochschule für Wirtschaft und Recht/ Forschungsinstitut für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS Berlin), Germany)
Clemens Arzt (Hochschule für Wirtschaft und Recht/ Berlin School of Economics and Law, Germany)
Polizeiliche Drohnendetektion und -abwehr – zugleich ein Mittel der Einschüchterung? (abstract)
17:15
Hartmut Aden (Berlin School of Economics and Law, Germany)
Interoperabilität polizeilicher Datenbanken und Datenschutz (abstract)
16:30-18:00 Session 3C: Aktuelle Ansätze der Justizforschung: Moral, Emotion, Aktivismus (Track 5)

Organisiert von Tobias Eule

Chair:
Tobias Eule (Universität Bern, Switzerland)
Location: HS 117
16:30
Lisa Marie Borrelli (Institute of Sociology, Bern University, Switzerland)
Zwischen Diskursdruck und Gleichgültigkeit: Migrationsrechtliche Entscheidungen in Schwedischen Strafgerichten (abstract)
16:45
Anne Kneer (Universität St. Gallen, Switzerland)
Das «losgelöste» Asylverfahren: Juristische Beobachtungen und Risiken des gesetzgeberischen Aktivismus im Asylgesetz (abstract)
17:00
Friederike Bahl (Hamburger Institut für Sozialforschung, Germany)
Neue Prüfsteine richterlicher Unabhängigkeit? - Welche Theorieangebote zur richterlichen Entscheidungspraxis kann die Emotionssoziologie anbieten (abstract)
17:15
Tobias Eule (Universität Bern, Switzerland)
Diplomatie und Alltag: Zur Beforschung internationaler Streitschlichtungsverfahren (abstract)
16:30-18:00 Session 3D: Innovation und Konflikt im Sozialrecht (Track 4)

Organisiert von Gesine Fuchs

Chair:
Gesine Fuchs (Hochschule Luzern, Switzerland)
Location: HS 116
16:30
Enrico Gragnoli (Università degli studi di Parma, Italy)
The introduction of the so-called citizenship income in Italy. New laws on individual protection? (abstract)
16:45
Susanne Dern (Hochschule Fulda, Germany)
Simone Kreher (Hochschule Fulda, Germany)
Fetischisierung des Rechts oder wie Mehrpersonenbedarfsgemeinschaften Recht erleben? (abstract)
17:00
Ulrike A. C. Müller (Universität Kassel, Graduiertenkolleg Wohlfahrtsstaat und Interessenorganisationen, Germany)
Protest, Stigma und Rechtsstreit: Die konfliktkonservierende Funktion von SGB-II-Mobilisierung (abstract)
17:15
Michael Wrase (Universität Hildesheim/Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Germany)
Evidenzbasierte Gesetzgebung im sozialpolitischen Bereich: Ein Weg zu mehr sozialem Ausgleich? (abstract)
16:30-18:00 Session 3E: Abschaffung des Rechts durch Alternativen zum Recht – sinkende Prozesszahlen, steigende Bedeutung aussergerichtlicher Streitschlichtung? (Track 9)

Organisiert von Walter Fuchs

In Deutschland und Österreich geht die Häufigkeit von Prozessen seit einigen Jahren deutlich zurück. Gleichzeitig ist – nicht auf nationaler Ebene – eine Ausdifferenzierung vielfältiger außergerichtlicher Streitschlichtungsverfahren zu beobachten. Wird das formelle Recht, in dem es solche Möglichkeiten zulässt und gleichzeitig hohe Anforderungen an die Durchführung von Prozessen vor staatlichen Gerichten stellt, zum Hindernis für die Durchsetzung des materiellen Rechts?

Chair:
Kurt Pärli (University of Basel, Switzerland)
Location: HS 118
16:30
Walter Fuchs (Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Austria)
Prozessebbe? Auf der Suche nach Gründen für die sinkende Nachfrage nach streitiger Ziviljustiz (abstract)
16:45
Karin Sonnleitner (Karl-Franzen-Universität Graz, Austria)
Außergerichtliche Streitschlichtung: Salonfähig? Beständig? Wirksam? (abstract)
17:00
Philip Stolkin (Kanzlei, Switzerland)
Die schweizerische Zivilprozessordnung, ein Instrument zur Rechtsverhinderung oder wie ein Rechtsstaat zu Grabe getragen wird (abstract)
16:30-18:00 Session 3F: Anspruch und Rechtswirklichkeit universaler Menschenrechte I (Track 2)

Die Session umfasst empirische und theoretische Beiträge, die das Thema des Tracks aus unterschiedlichen Perspektiven problematisieren. Diskutiert werden Erosionsprozesse des Rechts als Folge zielgerichteter Politiken der Entbindung von Rechtsverpflichtungen.

Chair:
Fatima Kastner (Institut für Weltgesellschaft, Universität Bielefeld, Germany)
Location: HS 119
16:30
Robert Nestler (refugee law clinics abroad / Max Plack Institute for Social Anthropology, Germany)
Konstruiertes Chaos? Zur Krise als Instrument der Migrationssteuerung (abstract)
16:45
Bilgin Ayata (University of Basel, Switzerland)
Erosion of Law through illegal migration control: A critical assessment of the EU-Turkey refugee cooperation (abstract)
17:00
Klaas Eller (Humboldt-Universität zu Berlin, Germany)
Globale Lieferketten als kommunikative Entscheidungsketten (abstract)
18:30-19:00 Verleihung des Preises für Recht und Gesellschaft

Verleihung des Preises für Recht und Gesellschaft der Christa-Hoffmann-Riem-Stiftung an Dan Wielsch, Universität zu Köln

Laudatio und Dankesworte

Chair:
Gralf-Peter Calliess (Universität Bremen, Germany)
Location: Aula 033
Friday, September 14th

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09:30-11:00 Session 4A: Herausforderungen des liberalen Rechtsstaats (Track 1)
Chairs:
Bijan Fateh-Moghadam (University Basel, Switzerland)
Elisabeth Holzleithner (Universität Wien, Austria)
Location: HS 114
09:30
Felix Ekardt (Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik, Germany)
Wie einfache Wahrheiten den liberal-demokratischen Rechtsstaat untergraben - aber nicht nur die der Populisten (abstract)
09:45
Kevin-Rick Doß (Hochschule Nordhausen, Germany)
Politischer Totalitarismus aus bürgerlicher Freiheit? Zum kapitalistischen Vergesellschaftungszusammenhang bürgerlichen Rechts als Versuch einer immanenten Kritik des bürgerlichen (Un-)Rechtsstaats (abstract)
10:00
Stefan May (Institute for Sociology/LMU, Germany)
Identitätspolitische Rechte und der Rechtsformenwandel subjektiven Rechts – Systematisierende Aspekte einer aktuellen Debatte (abstract)
09:30-11:00 Session 4B: Die Sozialgerichtsbarkeit und die Entwicklung von Sozialrecht und Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland – Vorstellung eines Forschungsprojektes (Track 4)

Organisiert von Katie Baldschun, Alice Dillbahner, Solveig Sternjakob und Katharina Weyrich

In dem in Form einer Nachwuchsgruppe geförderten Projekt werden sozial-, politik- und rechtswissenschaftliche Konzepte zur Erforschung von Sozialrecht und Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland (weiter-)entwickelt, um Konturen eines transdisziplinären Ansatzes sichtbar werden zu lassen. Die interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe soll einen Beitrag zur Erforschung der deutschen Sozialgerichtsbarkeit als eine wesentliche Institution im Gefüge des sozialen Rechtsstaats und der Sozialpolitik der Bundesrepublik Deutschland leisten. Dabei ist insbesondere die spezifische Rechtskultur der Sozialgerichtsbarkeit von Interesse, die den Anspruch erhebt, einen niedrigschwelligen Zugang zum Recht zu gewährleisten, der Verwirklichung sozialer Rechte zu dienen und die sozialpolitischen Interessen sowohl durch ehrenamtliche Richterschaft wie als Prozessparteien einzubinden. Untersucht werden soll, auf welche Weise die Sozialgerichtsbarkeit bei anhaltend hohen Klagezahlen Austragungsort individueller und gesellschaftlicher Konflikte sein kann und zugleich zur gesellschaftlichen Integration beiträgt. Im Panel sollen Vorhaben aus den Schwerpunktthemen des Projektes präsentiert und zur Diskussion gestellt werden.

Chairs:
Armin Höland (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Germany)
Felix Welti (Universität Kassel, Germany)
Location: HS 116
09:30
Alice Dillbahner (Universität Kassel, Germany)
Rechtsschutzverfahren in Systemen sozialer Sicherung (abstract)
09:45
Solveig Sternjakob (Universität Kassel, Germany)
La redécouverte du droit social comme porteur d’intérêts collectifs par l’action de groupe: une comparaison juridique franco-allemande (abstract)
10:00
Katie Baldschun (Universität Kassel, Germany)
Welches Interesse hat der Steuerzahler? - Wie (Rechts-)Begriffe die Vorstellung von Sozialstaat prägen (abstract)
10:15
Katharina Weyrich (Universität Kassel, Germany)
Sozialrechtliche Beratung zwischen individueller Rechtsmobilisierung und Interessensvermittlung? (abstract)
09:30-11:00 Session 4C: Recht und Medien (Track 6)

Organisiert von Stefan Machura

Seit den Sechzigerjahren befassen sich Juristen, Soziologen und andere Wissenschaftler mit der Darstellung des Rechts in den Medien und speziell in der populären Kultur. Zunächst und weiterhin anhaltend ging es um das Bild des Rechts, der Rechtsberufe und -institutionen in der Presse, in Literatur und Filmen. In den letzten Jahren werden Fernsehsendungen systematisch einbezogen und ihre Derivate im Netz. Der Beitrag der Medien zu Vertrauen und Legitimität des Rechts steht im Mittelpunkt dieses Panels.

Chair:
Josef Estermann (VICESSE, Wien and University of Zurich, Switzerland)
Location: HS 120
09:30
Ruth Herz (School of Law, Birkbeck, University of London, UK)
Transparenz als Mittel zur Abschaffung Rechts? (abstract)
09:45
Elena Isabel Zum-Bruch (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Instrument der Kriminalpolitik und Sprachrohr der Besorgten? Über das Verantwortungsbewusstsein von Journalisten in der Berichtserstattung über Kriminalität und Sicherheit (abstract)
10:00
Stefan Machura (Bangor University, UK)
Unterhaltungswert: Recht in Film und Fernsehen (abstract)
09:30-11:00 Session 4D: Gegenwartsdiagnosen zum Regieren im Ausnahmezustand (Track 8)

Organisiert von Fabien Jobard and Matthias Lemke

Regieren im Ausnahmezustand wird mehr und mehr zur Norm. Wie bei der ständigen, nachfrageorientierten Verfügbarmachung von Konsumgütern ermöglicht es der Ausnahmezustand den Regierungen, situativ auf Sicherheitsbedürfnisse der Bürger_Innen einzugehen und maßgeschneiderte Lösungen für so gut wie jede denkbare Herausforderung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung anzubieten. Damit zieht er zunehmend mehr Kompetenzen an sich. Die Kehrseite, nämlich die sukzessive Beschneidung von Grund- und insbesondere Freiheitsrechten, verdient eine eingehende Beachtung, sowohl empirisch („Ausnahme“ ist nicht gleich Ausnahme in Frankreich oder in der Türkei) als auch rechtstheoretisch. Wohin führt diese Entwicklung? Steht etwa zu befürchten, dass sich die Demokratien Europas schleichend in Richtung einer autoritär-neoliberalen Demokratievariante entwickeln? Und was wäre die Alternative – gerade in einer Zeit, in der Sicherheitsbedürfnisse und Angst zentrale Größen des politischen Diskurses sind? Ein Verzicht auf ausnahmezustandliche Kompetenzen? Ohne jeden Zweifel bedarf die gegenwärtige politische wie rechtliche Praxis des Ausnahmezustandes einer kritischen Reflexion. Denn der Ausnahmezustand ist, wie Clinton Rossiter bereits 1948 angemerkt hat, eine „gefährliche Angelegenheit“. Dies gilt umso mehr im Zeitalter eines hobbesschen Neoliberalismus, in dem, wenn überhaupt, dann nur ein Staat auf Akzeptanz stößt, der sich als zentraler Sicherheitsgarant versteht.

Chairs:
Fabien Jobard (Centre Marc Bloch, Germany)
Matthias Lemke (Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Bundespolizei, Germany)
Location: HS 119
09:30
Ece Göztepe (Bilkent University, Law Faculty, Turkey)
The Permanency of the State of Emergency in Turkey. The Rise of a Constituent Power or Only a New Quality of the State? (abstract)
09:45
Marie Goupy (Institut Catholique de Paris, Université Paris Nanterre, France)
State of exception vs. “small administrative exceptions”: the meaning of exceptionality in France after the attacks of 2015 (abstract)
10:00
Matthias Lemke (Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Bundespolizei, Germany)
Ausnahmezustand als Regierungstechnik (abstract)
10:15
Fabien Jobard (Centre Marc Bloch, Germany)
Der Ausnahmezustand in Frankreich: Von der Banalität des Ausnahmerechts (abstract)
09:30-11:00 Session 4E: Roundtable: Empirische Forschungen zu Rechtsdogmatik und Gerichtsentscheidungen (General Papers)

Organisiert von Christian Boulanger

Der Roundtable will aus rechtssoziologischer und politikwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf den Forschungsstand zum Thema werfen, wie juristisches Wissen und rechtliche Entscheidungen in einem sozialen Prozess generiert werden.

Discussant:
Michael Wrase (WZB, Germany)
Location: HS 115
09:30
Christian Boulanger (Recht im Kontext (Humboldt-Universität zu Berlin)/Berliner Arbeitskreis Rechtswirklichkeit, Germany)
Soziologie der Dogmatik (abstract)
09:45
Jörn Knobloch (Universität Potsdam, Germany)
Die Dogmatik als republikanisches Know-how (abstract)
10:00
Oliver Lembcke (Universität Jena, Germany)
Empirische Forschungen zum Bundesverfassungsgericht (abstract)
09:30-11:00 Session 4F: Rechtliche Interventionen in soziale Ungleichheit: Das emanzipatorische Versprechen des Antidiskriminierungsrechts (General Papers)

Organisiert von Sophie Arndt and Alik Mazukatow

Seit den 1990er-Jahren wurde in Europa verstärkt Antidiskriminierungsrecht (ADR) geschaffen. Seitdem ist Gleichbehandlung nicht nur im Arbeitsleben einklagbar. Dabei rekurriert ADR auf soziale Verhältnisse, die vorher vom Recht (scheinbar) unangetastet blieben. Antidiskriminierungsgesetzgebung gilt als Meilenstein, der von vielen entweder als Bruch mit althergebrachten Prinzipien des Privatrechts oder aber als ein Recht gewordenes Emanzipationsversprechen wahrgenommen wurde. ADR verpflichtet, sanktioniert, individualisiert. Rechteinhaber*innen haben nun die Möglichkeit (und damit auch die Aufgabe?) mit ihrer Klage Veränderungen zu bewirken. Es macht sich zur Aufgabe, zum Teil sehr grundlegende Bestandteile der sozialen Ordnung umzuformen. Zudem schreibt sich ADR als möglicher Bezugspunkt in moralische Entwürfe einer besseren Gesellschaft ein. Indem ADR von einem Subjekt ausgeht, dessen (Rechts-)position von bestimmten Ungleichheitsrelationen geprägt ist, entdeckt es gewissermaßen die Gesellschaft wieder. Zugleich gibt es viele konzeptionelle Annäherungen an die Gesellschaftswissenschaft: Etwa in der Debatte um Intersektionalität oder in der Frage der geschützten Diskriminierungsmerkmale. In unserem Panel versammeln wir Beiträge, die sowohl die Rechtsanwendungspraxis, den politischen Umgang mit ADR auch jenseits der institutionalisierten Arenen, die Fortbildung des positiven Rechts selbst als auch die (utopischen) Gesellschaftsentwürfe, die in ADR enthalten sind, untersuchen.

Chair:
Maria Seitz (Freie Universtität Berlin, Germany)
Location: HS 117
09:30
Sophie Arndt (Goethe-Universität Frankfurt, Germany)
Abbildung von Diskriminierung – Statistik und „strukturelle Ungleichheit“ (abstract)
09:45
Alik Mazukatow (Humboldt Universität Berlin, Germany)
Abseits des Gerichtssaals: Die zivilgesellschaftliche Ausgestaltung des Antidiskriminierungsrechts (abstract)
10:00
Lisa Ammon (Université Paris 8/CRESPPA-CNRS, France)
Was macht den Unterschied ? Eine vergleichende Analyse der Auseinandersetzungen um Kategorien im Antidiskriminierungsrecht in Deutschland und Frankreich (abstract)
11:00-11:30Kaffeepause
11:30-13:00 Session 5A: Der Ausnahmezustand als Gefahr für das Recht (Track 1)
Chairs:
Bijan Fateh-Moghadam (University Basel, Switzerland)
Jonas Weber (Institut für Strafrecht und Kriminologie, Universität Bern, Switzerland)
Location: HS 114
11:30
Josephine Papst (indexicals - Centre for Philosophy, Theory of Science, and Philosophy of Art, Austria)
Der stille Staatsputsch und Staatsterror: Kein Schaden? Der stille Staatsputsch und Staatsterror als Verfassungsstörung oder Staatsnotstand eines modernen Verfassungsstaates und der Irrtum des Rechtspositivismus (abstract)
11:45
Camill Oberhausser (Universität Basel, Switzerland)
Abschaffung des Rechts für Terroristen? – Terrorismusbekämpfung im Spannungsfeld zwischen Sicherheitsüberlegungen und Rechtsstaatlichkeit (abstract)
12:00
Carl Jauslin (University of Basel, Switzerland)
Die Abschaffung des Rechts durch den Ausnahmezustand? (abstract)
12:15
Kirsten Wiese (Hochschule für öffentliche Verwaltung, Bremen, Deutschland, Germany)
Gefährder*innen durch Glaube und Religionsausübung? (abstract)
11:30-13:00 Session 5B: Kritik der Untersuchungshaft und des Sanktionenrechts (General Papers)
Chair:
Christopher Geth (Institut für Strafrecht und Kriminologie, Universität Bern, Switzerland)
Location: HS 117
11:30
Melanie Wegel (ZHAW Institut für Delinquenz und Kriminalprävention, Switzerland)
Freiheitsstrafen aus der Sicht von Inhaftierten (abstract)
11:45
Christine Morgenstern (Universität Göttingen / Universität Greifswald, Germany)
Need for Speed: Die neue Beschleunigungsfreude im Strafverfahren am Beispiel der Untersuchungshaft (abstract)
12:00
Walter Hammerschick (Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Austria)
Die Praxis der Untersuchungshaft als Ausdruck von Rechtskultur (abstract)
11:30-13:00 Session 5C: Recht und Gesellschaftstheorie (Track 3)

Organisiert von Doris Schweitzer and Ricky Wichum 

In den traditionellen Ansätzen der Rechtssoziologie wird "das Recht" mittels "der Gesellschaft" problematisiert. So wird entweder versucht, die sozialen Einflüsse auf das Recht zu bestimmen („soziologische Jurisprudenz“), oder es geht darum, eine explizit gesellschaftstheoretische Bestimmung des Rechts zu geben. Gegenüber diesen beiden paradigmatischen Perspektiven der Rechtssoziologie verfolgt das Panel eine dritte Spur in der Bestimmung des Verhältnisses von Recht und Gesellschaft, deren Genealogie in die Gründungsphase der Soziologie führt und in deren Zentrum die Frage steht, welche gesellschafts- und sozialtheoretischen Implikationen sich im Recht ausmachen lassen. Mit diesem Vorschlag wollen wir Impulsen aus den gegenwärtigen Ansätzen der Rechtssoziologie bzw. der interdisziplinären Rechtsforschung folgen, die das Recht als Ort der Herstellung und der Emergenz sozial relevanten und wirksamen Wissens, bzw. als Ort der Produktion von Wissen über gesellschaftliche Zusammenhänge adressieren. Das Panel will in diesem Sinne ausloten, wie Recht und Rechtsentwicklung (wieder) anschlussfähig gemacht werden können für gesellschaftstheoretische Überlegungen. Wie beeinflussen Rechtstheorie und juristisches Wissen soziologische Denkschemata, Begriffsbildungen oder Theorieannahmen? Welche Wechselwirkungen zwischen juristischer Dogmatik und soziologischer Theoriebildung lassen sich nachzeichnen? Diese Fragestellungen weisen aber nicht nur eine soziologiegeschichtliche Seite auf, wenn sie den Blick auf die theoriekonstitutive Funktion der Auseinandersetzung mit dem Recht in der Soziologie lenken. Vielmehr erscheinen sie immer dann umso dringender, wenn ein gegenwärtiger – wie immer zu bestimmender – Wandel im Recht zu erkennen ist. Denn dann eröffnen sich zeitdiagnostische und begriffliche Aushandlungsfelder zwischen Soziologie und Rechtswissenschaft, die durch gegenseitige Rückwirkungseffekte gekennzeichnet sind. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn der informations- und biotechnologische Umbau der Gesellschaft die Möglichkeit des Rechts radikal in Frage stellt, dann geht es aus juristischer Perspektive nicht nur um die Diagnose eines solchen Wandels, sondern es stellt sich zugleich für die Soziologie die Frage, welche Folgen dies für die soziale Ordnung hat, wird das Recht doch nach wie vor als ihr zentraler Garant angesehen.

Chair:
Susanne Beck (Universität Hannover, Germany)
Location: HS 115
11:30
Frieder Vogelmann (Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS), Universität Bremen, Germany)
Ricky Wichum (ETH Zurich, Switzerland)
Verantwortung (abstract)
11:45
Benedikt Neuroth (Humboldt-Universität zu Berlin, Germany)
Transformationen der Privatsphäre. Das Verhältnis von Technologie zum Recht in den USA der 1960er und 1970er Jahre (abstract)
12:00
Doris Schweitzer (Goethe-Universität Frankfurt am Main, Germany)
„Neuer Materialismus“ und das Recht der Dinge (abstract)
12:15
Ricky Wichum (ETH Zurich, Switzerland)
Verwaltungsrecht oder Systemtheorie? Zur Epistemologie digitaler Verwaltung (abstract)
11:30-13:00 Session 5D: Die Sozialgerichtsbarkeit und die Entwicklung von Sozialrecht und Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland - Fortsetzung (Track 4)
Chairs:
Armin Höland (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Germany)
Felix Welti (Universität Kassel, Germany)
Location: HS 116
11:30
Alexandra Richter (Universität Kassel, Germany)
Widerspruchsausschüsse in Jobcentern – Erkenntnisse einer empirischen Bestandsaufnahme (abstract)
11:45
Armin Höland (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Germany)
Felix Welti (Universität Kassel, Germany)
Recht und Praxis der Widerspruchsausschüsse der deutschen Sozialversicherung (abstract)
11:30-13:00 Session 5E: Recht, Macht und Ressourcen im transnationalen Feld. Das Recht der Anarchie I (Track 7)

Organisiert von Josef Estermann

Das Recht der Anarchie und die Anarchie des Rechts. Aspekte von Recht, Macht und Herrschaft

Seit einiger Zeit zeigen empirische Befunde eine Zurückdrängung oder ein Zurückweichen staatlich organisierter Entscheidungsstrukturen zugunsten nicht-staatlicher Akteure. Diese nicht-staatlichen Akteure sind nicht nur Individuen, sondern treten in der Qualität von juristischen Personen auf, hinter denen Privatpersonen nur als Eigner, nicht aber als Akteure eigenen Rechts stehen. Bei zivilrechtlichen, monetären Ansprüchen tritt die „freiwilliger Gerichtsbarkeit“ vermehrt anstelle der durch die staatlichen Zivilprozessordnungen bestimmten Strukturen.

Es existiert ein liberal inspirierter Diskurs, welcher Recht sich autopoietisch aus individuellen Interaktionen entwickeln und den Staat als Gefäss normgebender Strukturen in den Hintergrund treten lässt. Inwiefern sich in diesem Zusammenhang die Kopplung von Recht, Macht und Herrschaft ausgestaltet, bleibt eine weitgehend offene Frage.

Die erste Session des Tracks fokussiert grenzüberschreitende Aspekte und aussereuropäische Felder.

Chair:
Josef Estermann (VICESSE, Wien and University of Zurich, Switzerland)
Location: HS 120
11:30
Noemi Zulauf (University of Zurich, Switzerland)
Verhandlungsmacht - Eine qualitative Forschung zum Thema Macht und Herrschaft im internationalen Verhandlungsprozess (abstract)
11:45
Salimata Sophie Seck (University of Zurich, Switzerland)
Frankophones Westafrika im Transnationalen Feld - Machtverhältnisse in den Internationalen Beziehungen: Qualitative Studie zur Symbolischen Gewalt im Transnationalen Feld (abstract)
12:00
Jessika Eichler (MPI, Law & Anthropology Department, Germany)
Asymmetries in Mining-Related Decision-Making Processes: Indigenous Impressions from the Bolivian Lowlands (abstract)
11:30-13:00 Session 5F: Informalisierung des Strafrechts (Track 9)

Organisiert von Boris Burghardt and Tobias Singelnstein

Kein Rechtsgebiet ist traditionell so stark formalisiert wie das Strafrecht. Der strafrechtliche Gesetzlichkeitsgrundsatz in seinen verschiedenen Ausprägungen (Rückwirkungsverbot, Analogieverbot, Bestimmtheitsgrundsatz) erhöht die formellen Anforderungen und Schranken an Gesetzgebung und Rechtsanwendung gegenüber anderen Bereichen rechtlicher Regelung ausdrücklich. Im Verfahrensrecht haben sich viele kontinentale Strafverfahrensordnungen, nicht zuletzt die deutsche StPO, grundsätzlich dem Ideal der materiellen Wahrheitsermittlung und der gleichen Rechtsanwendung verpflichtet, was insbesondere in dem Legalitätsgrundsatz zum Ausdruck kommt. Die Formalisierung gilt dabei gängiger Weise als Schutzmechanismus zur besseren Wahrung der Rechte des Beschuldigten. Phänomene der Informalisierung, die sich seit Jahrzehnten in der Rechtspraxis beobachten lassen und vielfach auch schon gesetzliche Regelung gefunden haben, werden im Strafrecht daher besonders kritisch gesehen (Opportunitätseinstellungen, Strafbefehlsverfahren, Deal). In dem Panel soll ein vertiefter Einblick geboten werden - zu den besonderen Legitimationsproblemen von Informalisierungen des Strafrechts; - zu übergreifenden gesellschaftlichen Deutungsansätzen, warum sich eine zunehmende Informalisierung (auch) des Strafrechts feststellen lässt; - zu konkreten Phänomenen der Informalisierung des Strafrechts und der Versuche ihrer rechtsförmlichen Einhegung.

Chair:
Tobias Singelnstein (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Location: HS 118
11:30
Boris Burghardt (Humboldt-Universität zu Berlin, Germany)
Informalisierung des (Straf-)Rechts - Phänomene, Begründungsnarrative und Kritikansätze (abstract)
11:45
Tobias Singelnstein (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Zur Informalisierung strafrechtlicher Sozialkontrolle (abstract)
12:00
Gaby Temme (Hochschule Düsseldorf, Germany)
Restorative & Transformative Justice (abstract)
12:15
Charlotte Schmitt-Leonardy (Goethe-Universität Frankfurt a.M., Germany)
Verfahrensbeendigung durch Verständigung als Ventil des mit Präventionswirkungen überfrachteten Prozesses? (abstract)
11:30-13:00 Session 5G: Anspruch und Rechtswirklichkeit universaler Menschenrechte II (Track 2)

Die Session umfasst Beiträge, die aus soziologischen und rechtssoziologischen Perspektiven analysieren, ob und inwieweit sich Geltungsanspruch und Rechtswirklichkeit universaler Normen im Kontext unterschiedlicher Politikfelder (Klima-, Asyl- und Migrationspolitik) in der Praxis durchsetzen.

Chair:
Fatima Kastner (Institut für Weltgesellschaft, Universität Bielefeld, Germany)
Location: HS 119
11:30
Felix Ekardt (Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik, Germany)
Menschenrechte intertemporal und global-grenzüberschreitend? (abstract)
11:45
Claudia Maria Hofmann (University of Regensburg, Germany)
Im Warteraum der Menschenrechte? Die Situation von Asylbewerber*innen aus sicheren Herkunftsstaaten in Deutschland (abstract)
12:00
Vinzent Vogt (Forschungsstelle Migrationsrecht Uni Halle & refugee law clinics abroad e.V., Germany)
Governing and negotiating a transnational legal space - the Greek hotspot Vial (abstract)
13:00-14:30Mittagspause
13:00-14:30 Mitgliederversammlung der Vereinigung für Recht und Gesellschaft

Die Vereinigung für Recht und Gesellschaft e.V. lädt alle Mitglieder und Interessierten zu ihrer Versammlung während der Mittagspause ein.

Location: Seminarraum 212
14:30-16:00 Session 6A: Predictive Policing und die (rechtliche) Transformation von Polizeiarbeit? (Track 3)

Organisiert von Tobias Singelnstein and Simon Egbert

In zahlreichen Polizeibehörden im deutschsprachigen Raum werden derzeit softwaregestützte Prognosetechnologien erprobt oder eingeführt, die vorhersagebasierte Polizeiarbeit (Predictive Policing) leisten sollen. Im Zuge dessen werden auf Basis polizeilicher Kriminalitätsdaten Vorhersagen über die temporäre Wahrscheinlichkeit zukünftiger Straftaten (zumeist Einbrüche) in bestimmten (Risiko-)Räumen generiert und zur Basis von Streifenallokation und gezielten Präventionsmaßnahmen gemacht. Die rechtliche bzw. rechtssoziologische Diskussion zu dieser aktuellen und mittlerweile verbreiteten Praxis beginnt indes erst langsam sich zu entwickeln. Die zu diskutierenden Punkte sind dabei vielfältig: Wie verändert sich polizeiliches Handeln durch die Einführung von digitalen Analyseverfahren und welche rechtssoziologischen Implikationen entspringen daraus? Was bedeutet beispielsweise die Implementierung von Algorithmen in der Strafverfolgung bzw. Kriminalitätsprävention für die Fragen der rechtlichen Kontrolle und Accountability? Verändert sich polizeiliches Handeln in einer Weise, die eine Reformulierung von Kernkategorien des Strafprozessrechts oder Polizeirechts erforderlich macht, z. B. Tatverdacht und Eingriffsbefugnis?

Chair:
Tobias Singelnstein (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Location: HS 115
14:30
Simon Egbert (University of Hamburg, Germany)
Predictive Policing und ‚kognitive Gefahrengebiete‘? (abstract)
14:45
Benjamin Rusteberg (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Germany)
Algorithmen vs. kriminalistische Erfahrung – Wissensverarbeitung in der personenbezogenen Prävention (abstract)
15:00
Andrea Kretschmann (Centre Marc Bloch, Germany)
Aldo Legnaro (n.a., Germany)
Abstrakte Gefährdungslagen als konkrete Politik (abstract)
15:15
Sabine Gless (University of Basel, Switzerland)
Ausbau von Rechten – Strafverteidigung gegen algorithmisch determinierte Strafjustiz (abstract)
14:30-16:00 Session 6B: Social law in action – Das lebende Sozialrecht (Track 4)

Organisiert von Michael Wrase und Kurt Pärli

Chair:
Michael Wrase (WZB, Germany)
Location: HS 116
14:30
Pete Burgess (University of Greenwich, UK)
Armin Höland (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Germany)
Laien im Recht (abstract)
14:45
Eva Kocher (Europa-Universität Viadrina, Germany)
Arbeitsrecht vor Gericht (abstract)
15:00
Petra Sussner (Universität Wien / Humboldt Universität Berlin (ab 1.4.2018), Germany)
Vulnerabilität als Ressource. Aufnahmebedingungen für LGBTIQ Asylwerber*innen (abstract)
15:15
Peter Voll (UAS Western Switzerland, Switzerland)
Julia Emprechtinger (University of Applied Sciences Western Switzerland, Switzerland)
Abschaffung des Rechts – oder Monopolverlust der Rechtsprofession? Überlegungen am Beispiel des Kindes- und Erwachsenenschutzes in der Schweiz (abstract)
14:30-16:00 Session 6C: Legal mobilisation by social movements - Rechtsmobilisierung durch soziale Bewegungen (Track 5)

Organisiert von Gesine Fuchs

Chair:
Gesine Fuchs (Hochschule Luzern, Switzerland)
Location: HS 117
14:30
Carolina Vestena (Universität Kassel, Germany)
Die ambivalente Rolle des Rechts bei Mobilisierungen sozialer Bewegungen in Zeiten der Austeritätspolitik: der Fall Portugal (abstract)
14:45
Samira Akbarian (Goethe-Universität Frankfurt am Main, Germany)
Ziviler Ungehorsam als Mobilisierung des Rechts gegen das Recht (abstract)
15:00
Vinzent Vogt (Forschungsstelle Migrationsrecht Uni Halle & refugee law clinics abroad e.V., Germany)
Robert Nestler (refugee law clinics abroad e.V., Germany)
Rechtsmobilisierung ohne Rechtsweg? - Strategische Prozessführung zur Familieneinheit nach der Dublin-III-Verordnung (abstract)
15:15
Lisa Hahn (Law & Society Institute, Humboldt-Universität zu Berlin, Germany)
Mobilisierungstheorien revisited - Bedingungen strategischer Prozessführung (abstract)
14:30-16:00 Session 6D: Recht, Konflikt und Widerstand. Das Recht der Anarchie II (Track 7)

Organisiert von Josef Estermann

Das Recht der Anarchie und die Anarchie des Rechts. Aspekte von Recht, Macht und Herrschaft

Seit einiger Zeit zeigen empirische Befunde eine Zurückdrängung oder ein Zurückweichen staatlich organisierter Entscheidungsstrukturen zugunsten nicht-staatlicher Akteure. Diese nicht-staatlichen Akteure sind nicht nur Individuen, sondern treten in der Qualität von juristischen Personen auf, hinter denen Privatpersonen nur als Eigner, nicht aber als Akteure eigenen Rechts stehen. Bei zivilrechtlichen, monetären Ansprüchen tritt die „freiwilliger Gerichtsbarkeit“ vermehrt anstelle der durch die staatlichen Zivilprozessordnungen bestimmten Strukturen.

Es existiert ein liberal inspirierter Diskurs, welcher Recht sich autopoietisch aus individuellen Interaktionen entwickeln und den Staat als Gefäss normgebender Strukturen in den Hintergrund treten lässt. Inwiefern sich in diesem Zusammenhang die Kopplung von Recht, Macht und Herrschaft ausgestaltet, bleibt eine weitgehend offene Frage.

Die zweite Session des Tracks fokussiert innerstaatliche Auseinandersetzungen.

Chair:
Reinhard Kreissl (Vienna Center for Societal Security (VICESSE), Wien, Austria)
Location: HS 120
14:30
Josef Estermann (VICESSE, Wien and University of Zurich, Switzerland)
Anarchie des Rechts? (abstract)
14:45
Joost Beerwerth (Freie Universität Berlin, Germany)
Die Macht der Gewerkschaften - Arbeitskampf zwischen Recht und Gewalt (abstract)
15:00
Norbert Leonhardmair (Vienna Center for Societal Security, Austria)
Von der Unfähigkeit zur Unrechtmäßigkeit des Staates – „Souveräne“ Bewegungen in Europa (abstract)
14:30-16:00 Session 6E: Selbstabschaffung des Rechts I (Track 8)

Organisiert von Caroline Voithofer und Ines Rössl

Trägt das Recht die Möglichkeit seiner Selbstabschaffung in sich und/oder unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen lassen sich Phänomene der Selbstabschaffung beobachten? Unterschiedliche Antworten auf die Frage, ob und wie sich Recht selbst abschaffen kann, sind sowohl im Hinblick auf die Fächerperspektive als auch im Hinblick auf die verwendeten Rechtsbegriffe zu erwarten.

Chairs:
Ines Rössl (Universität Wien, Institut für Rechtsphilosophie, Austria)
Caroline Voithofer (Universität Innsbruck, Austria)
Location: HS 119
14:30
Karol Felsner (n.a., Germany)
Unser Aller Tyrannis (abstract)
14:45
Tobias Eule (Universität Bern, Switzerland)
Bleibt alles anders oder: Kann man abschaffen, was nie so wirklich da war? (abstract)
15:00
Christian Sillaber (Institut für Informatik, Universität Innsbruck, Austria)
Code is law and law is code (unless it’s bad times?): Der “DAO Hack” als Beispiel für die selbstorganisierte Abschaffung und Wiedereinführung des Rechts im Kleinen? (abstract)
15:15
Angelika Adensamer (epicenter.works, Austria)
Fluggastdatenverarbeitung und die automatische Begründung des Tatverdachts (abstract)
14:30-16:00 Session 6F: Polizei und Strafjustiz im (Un-)Rechtsstaat (Track 1)
Chair:
Elisabeth Holzleithner (Universität Wien, Austria)
Location: HS 114
14:30
Elena Isabel Zum-Bruch (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Besser als das Recht? Über die vermeintlich guten, sinnvollen und notwendigen, aber rechtswidrigen Handlungen von Polizeivollzugsbeamten (abstract)
14:45
Hannah Reiter (Universität Wien, Austria)
Weibliche Homosexualität in der NS-Zeit (abstract)
15:00
Max Laube (Technische Universität Berlin - Zentrum für Antisemitismusforschung, Germany)
Der ambivalente Umgang der NS-Justiz mit regimekritischen Äußerungen am Beispiel des Urteils gegen Wilhelm Weber vom 15.09.1943. (abstract)
16:00-16:30Kaffeepause
Saturday, September 15th

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08:30-09:30 Session 7: Rundtischgespräch "Rechtssoziologisch publizieren"

Das offene Rundtischgespräch beschäftigt sich mit der derzeitigen Publikationslandschaft im Bereich der Rechtssoziologie und interdisziplinären Rechtsforschung. Es wird durch einführende Kommentare eingeleitet, soll aber vor allem einen Raum für Diskussion bieten und will der Anfang einer vertieften Diskussion darüber sein, wo Forschende ihre Arbeiten publizieren (wollen), ob die derzeitigen Publikationskanäle ausreichen oder ob Veränderungsbedarf gesehen wird. Themen dabei können sein:

  1. Wahl der Publikationssprache und des Publikums
  2. Veränderte Publikationspraxen: von der klassischen Zeitschrift zum Blog oder Open access-Formaten
  3. Anforderungen des Wissenschaftsbetriebs als Rahmenbedingungen: Peer Review, Impact Factor etc. 

Einleitende Input-Statements von

  • Michelle Cottier (Universität Genf) Zeitschrift für Rechtssoziologie
  • Sophie Arndt (Universität Frankfurt), BAR-Blog
Chair:
Christian Boulanger (Berliner Arbeitskreis Rechtswirklichkeit, Germany)
Location: HS 119
09:30-11:00 Session 8A: Zugang zum Recht in der Sozialhilfe (Track 5)

Organisiert von Gesine Fuchs

Damit Rechte überhaupt in Anspruch genommen werden können, braucht es Wissen (legal literacy) und Zugang zum Recht. Dieser „Access to Justice“ hat verschiedene Aspekte – rechtsstaatliche, geographische, finanzielle, soziale und informationelle. Juristisches (Professions-)Wissen ist in der Regel teuer und gerade für Menschen mit wenig Einkommen und/oder Bildung schwer zugänglich, obwohl sie häufiger darauf angewiesen sind. Das Panel soll zivilgesellschaftliche Initiativen und Forscher*innen zusammenbringen, die sich mit Beratung und Bildung als Voraussetzung für die Mobilisierung und den Genuss von Recht befassen. Welche Konzepte werden entwickelt und genutzt, um legal literacy zu fördern? Was bewährt sich und wie lassen sich Beratung & Bildung finanzieren? Welche Wirkungen gehen von Rechtsberatung auf das Rechtsbewusstsein im Alltag, auf vor- bzw. außergerichtliche Mobilisierung von Recht bzw. auf Gerichtsprozesse aus?

Chair:
Gesine Fuchs (Hochschule Luzern, Switzerland)
Location: HS 117
09:30
Sabine Berghahn (FU Berlin, Germany)
Effektiver Rechtsschutz von "Hartz IV"-Abhängigen - legal literacy kaum herstellbar (abstract)
09:45
Alina Ghoddousi (Legal Literacy Project Wien, Austria)
Susanne Gstöttner (Legal Literacy Project Wien, Austria)
Legal Literacy Project Wien (abstract)
10:00
Ulrike A. C. Müller (Universität Kassel, Graduiertenkolleg Wohlfahrtsstaat und Interessenorganisationen, Germany)
Hartz-IV-Beratung von unten – Innovationen und Grenzen der Wissensvermittlung durch Selbsthilfegruppen, Einzelaktivist_innen und Erwerbslosenräte (abstract)
10:15
Andreas Hediger (Unabhängige Fachstelle für Sozialhilferecht UFS, Switzerland)
Nicole Hauptlin (Unabhängige Fachstelle für Sozialhilferecht UFS, Switzerland)
Schwacher Rechtsschutz für Sozialhilfebeziehende in der Schweiz – die Notwendigkeit unentgeltlicher Rechtsberatungsstellen (abstract)
09:30-11:00 Session 8B: Entformalisierung des Rechts (Track 9)

Organisiert von Kurt Pärli, Tobias Singelnstein and Walter Fuchs

Chair:
Vagias Karavas (Institut für Juristische Grundlagen – lucernaiuris, Universittät Luzern, Switzerland)
Location: HS 118
09:30
Kurt Pärli (University of Basel, Switzerland)
Jasmin Vögtli (University of Basel, Switzerland)
Impacts of Codes of conduct to labour rights (abstract)
09:45
Laura Knöpfel (King's College London, UK)
Private self-regulation in transnational human rights litigations against corporations (abstract)
10:00
Nils Janson (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Öffentliches Recht, Abt. I, Germany)
Der Zahn der Zeit – Bedrohung des Rechts durch soziale Beschleunigung? (abstract)
09:30-11:00 Session 8C: Das Volk und das Recht: Demokratie, Volkssouveränität und organisierte Interessen (General Papers)
Chair:
Christian Boulanger (Berliner Arbeitskreis Rechtswirklichkeit, Germany)
Location: HS 115
09:30
Thomas Gawron (Beuth Hochschule für Technik Berlin, Germany)
Ralf Rogowski (The University of Warwick, UK)
Implementation von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts durch Organisierte Interessen (abstract)
09:45
Uwe Kranenpohl (Evangelische Hochschule Nürnberg, Germany)
"Volkssouveränität" – unzureichende Distanz zu einem problematischen Begriff (abstract)
10:00
André Brodocz (Universität Erfurt, Germany)
Stabilisierte Enttäuschungen: Wie sich selbst enttäuschende normative Erwartungen durch populistische Parteien aufrecht erhalten werden (abstract)
09:30-11:00 Session 8D: Selbstabschaffung des Rechts II (Track 8)

Organisiert von Caroline Voithofer and Ines Rössl

Trägt das Recht die Möglichkeit seiner Selbstabschaffung in sich und/oder unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen lassen sich Phänomene der Selbstabschaffung beobachten? Unterschiedliche Antworten auf die Frage, ob und wie sich Recht selbst abschaffen kann, sind sowohl im Hinblick auf die Fächerperspektive als auch im Hinblick auf die verwendeten Rechtsbegriffe zu erwarten.

Chairs:
Ines Rössl (Universität Wien, Institut für Rechtsphilosophie, Austria)
Caroline Voithofer (Universität Innsbruck, Austria)
Location: HS 119
09:30
Anna Menzel (n.a., Germany)
Über das Hören (auf das Andere) im Recht (abstract)
09:45
Filippo Contarini (Universität Luzern, Switzerland)
Das "vivre ensemble" und das Recht: lass die Maske fallen! (abstract)
10:00
Constantin Hruschka (Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, Germany)
Tim Rohmann (Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, Germany)
Abschaffung des Rechts durch Gesetzesflut im Migrationsbereich? (abstract)
10:15
Karlson Preuss (Universität Bielefeld, Germany)
Was ist neu an der heutigen „Krise des Rechts“? Radikale Rechtskritik zu Beginn des 20. Jahrhunderts (abstract)
09:30-11:00 Session 8E: Roundtable: "Pierre Bourdieu im Kontext der Rechtssoziologie" (General Papers)

Organisiert von Andrea Kretschmann

Pierre Bourdieu hat nie eine eigene Rechtssoziologie entwickelt; sein Rechtsdenken ist immer fragmentarisch geblieben. Dass seine Auseinandersetzung mit rechtlichen Phänomenen innerhalb der Rechtssoziologie abseits des frankophonen Wissenschaftskontexts bislang nur vereinzelt rezipiert wurde, verwundert dennoch; nicht nur angesichts von Bourdieus überragendem Status in der soziologischen Welt. Denn sein Rechtsdenken - auch wenn es in ihm weder ausformulierte Soziologiken noch empirisch fundiert Analysen gibt -, hält einiges an Potenzialen bereit. Als Soziologe, der etwa auch im Recht Subjektkonzeptionen mit größeren gesellschaftlichen Entwicklungen zu verweben gewusst hat, der konzeptionelle Hinweise auf die Verzahnung von rechtlicher Struktur und professioneller oder alltäglicher Praxis zugrunde legte oder der strukturelle und symbolische Qualitäten des Rechts zu kombinieren vermochte, stellt er - gelesen in Verbindung mit seinem übrigen Werk - einen reichhaltigen Fundus bereit, aus dem sich hinsichtlich drängender theoretischer und empirischer Fragen rechtssoziologisch schöpfen lässt. Erst in den letzten Jahren, zeitgleich mit dem praxeological turn innerhalb der Soziologie, entwickelt sich auch in der deutschsprachigen Rechtssoziologie langsam eine differenziertere Auseinandersetzung mit Bourdieus konzeptionellen Werkzeugen für soziologische Analysen des Rechts. Ausgehend hiervon beabsichtigt der Roundtable, einen genaueren Blick auf Bourdieus Rechtsdenken im Kontext der Rechtssoziologie zu richten.

Chair:
Andrea Kretschmann (Centre Marc Boch, Germany)
Location: HS 116
09:30
Anja Böning (FernUniversität in Hagen, Germany)
Beitrag zum Roundtable: "Pierre Bourdieu im Kontext der Rechtssoziologie" (abstract)
10:00
Andrea Kretschmann (Centre Marc Bloch, Germany)
Beitrag zum Roundtable: "Pierre Bourdieu im Kontext der Rechtssoziologie" (abstract)
10:15
Michael Wrase (WZB, Germany)
Beitrag zum Roundtable: "Pierre Bourdieu im Kontext der Rechtssoziologie" (abstract)
09:30-11:00 Session 8F: Die Urteilskraft von Laien. Punitivität, Strafwürdigkeitsvorstellungen und Einstellungen zur Strafe in Europa (General Papers)

Organisiert von Fabien Jobard and Tobias Singelnstein

Das Strafrecht urteilt über abweichendes Sozialverhalten. Solche Urteile wie auch das Strafrecht insgesamt beziehen ihre Legitimität aus der Akzeptanz und Zustimmung der Bevölkerung bzw. der Gesellschaft. In der jüngeren Vergangenheit mehren sich die Stimmen, die eine zunehmende Punitivität in der Bevölkerung und einen strafrechtsbezogenen Populismus diagnostizieren. Die damit verbundene Forderung nach Sicherheit, die Lust auf Strafen würden durch die Justizpraxis weniger zufriedengestellt. An dieser Stelle setzt das Panel an und macht Einstellungen in der Bevölkerung zum Strafrecht und zur Sanktionierungspraxis zum Thema. Gibt es tatsächlich eine neue Straflust der BürgerInnen und wie lässt sich das untersuchen? Welche Ausdrucksform findet diese vermutete Punitivität? Gibt es eine Kluft zwischen Laien und professionellen Rechtsanwendern und wie sieht das Verhältnis zwischen beiden Gruppen aus? Welche generellen Einstellungen haben BürgerInnen in Europa zur Strafe und wie wirkt sich das bei konkreten Fällen aus? Gibt es so etwas wie einen strafrechtsbezogenen Populismus? Gibt es auch Forderungen nach einer Abschaffung oder Milderung der Strafe in unseren Gesellschaften? Diesen Fragen gehen die Beiträge des Panels in empirischer oder theoretischer Perspektive nach.

Chair:
Fabien Jobard (Centre Marc Bloch, Germany)
Location: HS 120
09:30
Pérona Océane (CESDIP, France)
Gender, Punitivität und Gewalt in der Ehe : eine deutsch-französische Perspektive (abstract)
09:45
Bénédicte Laumond (Centre Marc Bloch, France)
Punitivität und politische Einstellungen aus einer deutsch-französischen Perspektive (abstract)
10:00
Fabien Jobard (Centre Marc Bloch, Germany)
Tobias Singelnstein (Ruhr-Universität Bochum, Germany)
Strafwürdigkeitsvorstellungen von Richtern und Laien im Vergleich (abstract)
11:00-11:10Pause